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Selbstverletzung? Der will doch nur im Mittelpunkt stehen!

Ritzen = Suche nach Aufmerksamkeit?

 

"Wie, der verletzt sich selbst? Ach, keine Sorge, der steht gerne im Mittelpunkt!" oder "Mach dir keine Gedanken, die spricht ständig davon, dass sie sich umbringen will."

Diese zwei Sätze sind keine Seltenheit. Oft wird Selbstverletzung mit der Suche nach Aufmerksamkeit gleichgesetzt. Doch entspricht das der Wahrheit? Sucht jemand, der sich zum Beispiel an den Armen verletzt und danach ein kurzen T-Shirt trägt, nach Aufmerksamkeit?

 


Es gibt zwei Arten von Aufmerksamkeit

Zu aller erst: Aufmerksamkeit ist nicht gleich Aufmerksamkeit. Es gibt einerseits das Prahlen, das Hinstellen und sich selbst zur Schau stellen, der Wunsch nach Bewunderung, nach Lob, nach Anerkennung.  Und dann gibt es das Rufen nach Hilfe. Der Wunsch (endlich) wahrgenommen zu werden, der Wunsch nicht länger alleine zu sein, die Sehnsucht nach dem Reichen einer rettenden Hand, die einem wieder auf die Beine hilft.

 

Jemand, der sich Selbstverletzt sucht Aufmerksamkeit, ja, natürlich! Allerdings nicht, weil er sich selbst ach so toll findet, sondern weil er keinen anderen Ausweg mehr sieht. Weil er oder sie sich nicht mehr anders zu helfen weiß.

Derjenige hat keine Ahnung, wie er Beachtung findet, es gibt keine Worte mehr, die beschreiben könnten, wie schlecht es ihm geht. Kein gesunder Mensch würde sich freiwillig Schmerzen zufügen. Zu selbstverletzenden Verhalten greift man nicht, weil man es cool findet. Ja, okay, es kann sein, dass es Leute gibt, die es Mal austesten wollen, doch im Normalfall versucht jeder Mensch Schmerzen zu vermeiden. Jeder, der den Schmerz sucht, hat eine gewaltige Last auf seinen Schultern. jeder, der sich selbst verletzt, spürt lieber die Selbstverletzung als dass, was er ohne sie fühlen würde.

Der Antrieb heißt Verzweiflung

Die Verzweiflung der Person ist so groß, dass er oder sie keinen anderen Ausweg mehr sieht. Derjenige greift zum äußersten Mittel. Auch eine Suiziddrohung ist eine Form der Aufmerksamkeitssuche. Derjenige will damit nicht zeigen, wie cool er ist, sondern, dass er sich aktuell in seinem Leben gefangen fühlt.

Sehr wahrscheinlich will er gar nicht sterben (das wollen die Wenigsten, die an Suizid denken), sondern er möchte lediglich so, unter den jetzigen Umständen, nicht mehr weiterleben. Falls er einen Weg findet, sein Leben wieder lebenswert zu machen, wird er diesen Weg gehen wollen. Falls nicht, ist in seinen Augen die einzige Option einen letzten, endgültigen Schlussstrich zu ziehen und aus dem Leben auszusteigen.


Selbstverletzung oder eine Suiziddrohung ist der lauteste Hilfeschrei zu dem die Person fähig ist.

Wie man damit umgeht? Es gibt verschiedene Wege. Definitiv falsch ist es darüber zu lachen oder es zu ignorieren, in der Hoffnung "wenn ich es nicht sehe, geht es von alleine weg, beziehungsweise ist es nicht mehr mein Problem".  Richtiger wäre es nachzufragen und Unterstützung anzubieten. Nein, man muss dafür kein ausgebildeter Therapeut sein. Unterstützung beginnt schon mit Kleinigkeiten. Zum Beispiel denjenigen darauf hinzuweisen, dass es Telefonseelsorge gibt, einen Schulpsychologen, Kriseninterventionsdienst oder Ähnliches. Oder ja, auch das kann helfen, ein freundliches Lächeln :-) . Ein Zeichen, dass man das Leid des anderen wahrnimmt und ihn für sein Verhalten nicht verurteilt.

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